Unter Ruder und Segel

Band III · Flüsse und Küsten

Fahrten mit Gig, Skiff, Canoe und Yacht aus der Berliner Wochenschrift Wassersport, 1883–1895

Ausgewählt und herausgegeben von Leonid Dudakov

Sprache
Deutsch
Seiten
226
Format
6 × 9 Zoll
Taschenbuch · E-Book

Von der Donau bis zur Ostseeküste

Der dritte Band folgt dem Wasser stromab und die Küsten entlang. Vier alte Berliner Ruderer fahren von Ulm nach Budapest, ein Wiener Skuller rudert allein die Donau hinauf bis Linz, drei Leipziger Canoeisten paddeln bis Stettin, und ein Bonner Vierer rudert zum Vergnügen den Rhein stromauf.

Im Mittelpunkt steht der Sommer 1893 des Malers Otto Protzen: im Einskuller von Berlin bis Rügen und Arkona, von ihm selbst erzählt und gezeichnet. Siebzehn Berichte aus den Jahren 1883 bis 1895, mit den Zeichnungen und Fotografien des Journals.

Die Originaltexte in behutsam modernisierter Rechtschreibung, mit einer Einführung zu jeder Fahrt.

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Blick ins Buch

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Vorwort

Die beiden ersten Bände dieser Reihe teilten die Fahrten aus dem Wassersport danach ein, wie die Boote bewegt wurden: mit dem Ruder auf Binnengewässern, unter Segel auf See. Dieser dritte Band sammelt, wofür in den ersten beiden kein Platz war, und er folgt nicht mehr der Takelage, sondern dem Wasser. Die meisten seiner Fahrten gehen einen Fluss hinab oder an einer Küste entlang, und viele führen vom einen zum anderen: von Berlin zur Ostsee im Einskuller, vom Spreewald bis vor Usedom aufs offene Meer in zwei Canoes, von Einbeck die Leine hinab bis Bremen im Canoe.

Das Buch folgt dem Journal ungefähr in der Reihenfolge, in der die Fahrten gemacht wurden, von 1883 bis 1895. Es beginnt mit zwei Rennbooten, die für einen Tag auf See gebracht werden, und mit einer halb scherzhaften wissenschaftlichen Expedition zu einer Koralleninsel vor Madagaskar. Dann kommen die großen Ströme. Vier alte Mitglieder eines Berliner Vereins rudern von Ulm nach Budapest, und ein Wiener Skuller fährt allein dieselbe Donau stromauf bis Linz und an einem Tag wieder heim. Drei Elsässer bringen einen Zweier von Straßburg den Rhein hinab, und zwei Berliner Ruderer fotografieren den Spreewald. Drei Leipziger Canoeisten in gesetzten Jahren paddeln bis Stettin, und zwei Mitglieder des Berliner Ruder-Clubs verteidigen das Rob-Roy-Canoe gegen seine Kritiker. Es folgen vier Segelkapitel: ein Geschwader winziger englischer Yawls in Holland, der Berliner Studentenkutter auf seiner vierten Ostseereise, zwei Marineoffiziere auf Urlaub und ein Stettiner Kutter rund um Usedom. Der letzte Teil gehört den neunziger Jahren. Er enthält die längste Fahrt des Buches, den Sommer 1893 des Malers Otto Protzen in seinem Skiff Elfe, mit seinen eigenen Zeichnungen. Er enthält auch ein Canoe auf der wilden oberen Leine, zwei Berliner Canoeisten, die sich von der Donau in zehn Tagen von Ulm nach Wien tragen ließen, eine Jolle und einen Einskuller auf den mecklenburgischen Seen und einen Bonner Vierer, der zum Vergnügen den Rhein stromauf ruderte.

Die Regeln der Auswahl sind die der früheren Bände. Aufgenommen sind nur abgeschlossene Berichte, in denen etwas geschieht; Fortsetzungsreihen, die vor dem Ende abbrachen, sind fortgelassen, so vielversprechend sie auch begannen. Die Texte stehen vollständig. Die Verfasser waren Ruderer, Canoeisten und Segler, ein Maler, ein Techniker, Studenten; sie haben ihre Uhrzeiten und Entfernungen sorgfältig festgehalten, und sie sind hier bewahrt. Jede Zahl, auf die es ankommt, ist am Seitenbild des Journals geprüft. Ihre Flüsse sind seither begradigt, gestaut und überbrückt, und viele ihrer Städte tragen heute andere Namen in anderen Ländern. Das Wasser ist noch da.

— Leonid Dudakov

Leseprobe

Die ersten Seiten eines Kapitels.

KAPITEL EINS

Rennboote auf See

Ein Vierer von Rotterdam über die Nordsee nach Scheveningen, September 1883, und ein Vierer von Triest nach Parenzo und zurück, August 1890 — Wassersport, 1883 und 1890

Ein Rennboot ist für glattes Wasser gebaut, und niemand empfahl in den 1880er Jahren, damit in See zu gehen. Diese beiden kurzen Berichte stammen von deutschen Ruderern im Ausland, die es dennoch taten, jeder an einem einzigen schönen Tag.

Die erste Mannschaft gehörte dem Deutschen Turn- und Ruder-Verein in Rotterdam an. Sie brachte ihren schmalen Vierer Falke die Maas hinunter bis Hoek van Holland, sah einen holländischen Zweier an der Küste entlang nach Scheveningen aufbrechen und folgte ihm hinaus, am Molenkopf vorbei. In Scheveningen landete sie durch die Brandung und trug das elf Meter lange Boot über die Dünen zum Kanal. Die zweite Mannschaft ruderte für den Turnverein „Eintracht“ in Triest. Sie fuhr in einem Dollen-Vierer von Triest die istrische Küste hinunter nach Parenzo und zurück, in zweiunddreißig Stunden, davon fast fünfzehn an den Riemen, bei Nacht ebenso wie bei Tage. Ihre Zeitaufstellung ist nach dem Bericht abgedruckt. — Leonid Dudakov

Im Rennboot auf der See

Unter den mannigfaltigen und interessanten Ruderpartien, welche der Deutsche Turn- und Ruder-Verein in Rotterdam in dieser Saison gemacht hat, ist wohl die schönste und eigenartigste am Sonntag, den 16. September, von 5 Mitgliedern im vierriemigen Dollen-Rennboot Falke ausgeführt worden. Lassen wir einen der Teilnehmer selbst berichten:

Seit längerer Zeit hatten wir eine Tour nach dem Hoek van Holland geplant, wurden jedoch schon verschiedene Male durch ungünstiges Wetter oder andere Hindernisse von der Ausführung unseres Planes abgehalten. Am Sonntag, den 16. September, beschlossen wir, noch einmal den Versuch zu machen, und da an diesem Tage bis gegen 11 Uhr vormittags Ebbe herrschte, so konnten wir, wenn um 8 Uhr abgefahren wurde, noch mit dem Strom das Ziel unserer Fahrt erreichen. Nachdem wir uns zu der festgesetzten Zeit am Boothaus eingefunden und die mitgebrachten Provisionen nebst Ruderjacke, Sweater etc. in unserem Falke gut verstaut hatten, ruderten wir trotz des dichten Nebels in bester Stimmung den Hafen hinaus, wo uns die Nebelsignale der Dampfer zur größten Vorsicht mahnten. Da wir kaum die Gegenstände im Umkreis einer Bootslänge erkennen konnten, so war es nicht zu verwundern, dass wir uns unweit Schiedam in eine Bucht des Flusses verfuhren, was uns trotz aller Vorsicht noch einmal passierte, ehe wir Vlaardingen erreichten. Hier machten wir halt, um etwas besseres Wetter abzuwarten, welches auch bald eintrat, sodass wir nach einer halben Stunde Aufenthalt im schönsten Sonnenschein weiterfahren konnten und gegen 11 Uhr Maassluis erreichten, fortwährend von vorbeifahrenden Seedampfern, welche ebenfalls das helle Wetter abgewartet hatten, mit großen Wellen traktiert.

Inzwischen war Flut eingetreten, und wir mussten noch eine Stunde gegen Strom arbeiten, bis endlich, gegen 12 Uhr, das Ziel unserer Fahrt, das Dorf Hoek van Holland, in Sicht kam, wo wir unsern Falke unter der Obhut eines dort stationierten Lotsen ließen, um den Leuchtturm zu besteigen, zu welchem ein ca. 2 km langer Damm hinausführt. Da jedoch die wachsende Flut schon einen Teil desselben bespülte, war es nicht mehr ratsam, den Leuchtturm zu besichtigen, weshalb wir diesen Plan aufgaben und die heute in prachtvollem Dunkelblau strahlende Nordsee von dem Damm aus bewunderten. Aber schon wälzten sich die Strandwellen bis in die Nähe unseres Standortes, und indem wir den Damm langsam zurückgingen, bemerkten wir 3 Herren des Ruder-Vereins „De Maas“, welche schon Samstagabend von Rotterdam abgefahren und jetzt beschäftigt waren, ihren Zweiriemer Stella flottzumachen. Nach gegenseitiger Begrüßung sagten uns die Herren, sie wollten über See nach dem ca. 4 Stunden entfernten Bad Scheveningen rudern; wir schwenkten zum Abschied die Hüte, was von der Stella-Mannschaft durch „Riemen hoch“ erwidert wurde, und dann setzte das Boot seinen Weg, den Damm entlang, in der Richtung der See fort.

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Inhalt

  1. Vorwort
  2. Rennboote auf See
  3. Eine wissenschaftliche Segelfahrt nach Plum-Island
  4. Von Ulm nach Budapest
  5. Stromauf von Wien nach Linz
  6. Von Straßburg den Rhein hinab
  7. Eine Spreewaldfahrt
  8. Im Canoe von Leipzig nach Stettin
  9. Vom Spreewald bis zur Ostsee im Rob-Roy-Canoe
  10. Eine Segelfahrt durch Holland
  11. Noch einmal der Studentenkutter
  12. Zwei Marineoffiziere auf Urlaub
  13. Rund um Usedom
  14. Eine Ostsee-Reise im Einskuller
  15. Im Canoe von Einbeck bis Bremen
  16. Eine Donaufahrt im Paddelboot
  17. Magdeburg–Neustrelitz–Potsdam
  18. Wider den Strom!