Bootsbau im Goldenen Zeitalter

Bootsbau im Goldenen Zeitalter

Bootsbau, Konstruktion und Ausrüstung aus der Berliner Wochenschrift Wassersport, 1883–1895

Ausgewählt und herausgegeben von L. Dudakov

Sprache
Deutsch
Seiten
366
Format
8,5 × 11 Zoll
Taschenbuch · E-Book

Das Handwerk des Bootsbauers im Zeitalter von Segel und Ruder

Von 1883 bis 1895 war die Berliner Wochenschrift Wassersport der Treffpunkt der deutschen Ruderer, Kanuten und Segler. Bootsbauer, Konstrukteure und Eigner schrieben dort, wie ihre Boote gebaut, getakelt und gepflegt wurden.

Dieses Buch vereint die besten dieser Beiträge: Ruderboote und Riemen, Kanus und Faltboote, Schwert und Kiel, Rundhölzer, Beschläge und Segel, Eisyachten, Fischerboote, Modellyachten und kleine Kreuzeryachten – mit den Tafeln des Journals, neu als klare Strichzeichnungen gezeichnet.

Ein seltenes Zeugnis aus erster Hand über traditionelle Methoden und praktische Erfahrung – für alle, die Boote bauen, restaurieren oder einfach lieben.

Demnächst

Dieses Buch in anderen Sprachen: English · Русский

Blick ins Buch

  • Blick ins Buch 1
  • Blick ins Buch 2
  • Blick ins Buch 3

Vorwort

Im Januar 1883 erschien in Berlin eine neue Sportwochenschrift. Der Wassersport wollte dem Ruderer, dem Segler, dem Schwimmer und dem Eisläufer dienen, und mehr als ein Jahrzehnt lang berichtete er von ihren Regatten, stritt über ihre Bestimmungen und verzeichnete ihre Clubfeste. Er tat aber auch etwas Selteneres: Er lehrte seine Leser, wie Boote gebaut werden.

Die Jahre, die er umfasst, waren ein goldenes Zeitalter des kleinen Bootes. In Deutschland ging das Segeln von einer Handvoll wohlhabender Eigner an Elbe und Kieler Förde auf Kaufleute, Studenten und Ingenieure an den Seen um Berlin über. Die Bootswerften in Stralau, Köpenick und am Wannsee vermehrten sich; jede Saison wurden neue Vereine gegründet. Draußen in der Welt fochten Kutter und Schwertboot ihren langen Streit aus, das Kanu war zu einem eigenen Sport geworden, Eisyachten jagten über den Hudson und den Kronstädter Meerbusen, und 1891 ließ die Werft eines blinden Mannes in Rhode Island die Gloriana vom Stapel, die den Yachtbau in einem einzigen Sommer veränderte. Der Wassersport verfolgte das alles, und vieles von dem, was er druckte, war praktisch: wie man ein Klinkerboot beplankt, wie man ein Ruder oder ein Stück Eichenholz auswählt, wie man eine Yacht für den Winter auflegt, wie man aus drei Planken einen Segelschlitten baut.

Dieses Buch vereinigt diesen praktischen Stoff. Seine sechzehn Kapitel führen ungefähr vom Rumpf zur Takelung und vom Ruderboot zur Rennyacht: zuerst, wie man einen Konstruktionsriss liest und wie ein Klinkerboot zusammengesetzt wird, dann das Holz und seine Pflege, Ruderboote und Ruder, leichte und zusammenlegbare Boote und Kanus; danach die Arbeitsboote der Küsten, kleine Segelboote, der Streit um Schwert und Kiel, die Berliner Schwertyachten und kleinen Tourenyachten und das Gloriana-Jahr; endlich Rundhölzer und Beschläge, Eisyachten und Modellyachten. Innerhalb jedes Kapitels stehen die Aufsätze in der Reihenfolge, in der das Journal sie druckte, sodass der Leser verfolgen kann, wie Gedanken auftauchen, umstritten und schließlich gebaut werden.

Die Aufsätze sind überall dort vollständig wiedergegeben, wo sie den Bau betreffen; Regattaberichte, Vereinsnachrichten und rein polemische Abschnitte sind weggelassen oder zusammengefasst. Die Verfasser schrieben für Leser, die die Boote vor Augen hatten, und ihr Deutsch ist oft fachlich, zuweilen landschaftlich gefärbt und gelegentlich nachlässig. Ich habe ihre Maße und ihre Bezeichnungen beibehalten und nur die Rechtschreibung der heutigen angeglichen, damit man nicht über „That“, „giebt“ und „Maass“ stolpert. Wo die Zahlen des Journals einander widersprechen oder wo der Scan einer Seite nicht mit Sicherheit zu lesen war, ist dies in einer Anmerkung gesagt und nicht stillschweigend berichtigt. Jede Zeichnung ist nach den Tafeln des Journals als saubere Linienzeichnung neu angelegt; die Linien des Originals sind beibehalten, Flecken, Durchschlag und gebrochene Lettern von anderthalb Jahrhunderten weggelassen.

Die Männer, die diese Seiten schrieben — Bootbauer, Marineoffiziere, Ingenieure, Liebhaber, die mit ihren Anfangsbuchstaben zeichneten —, erarbeiteten mit der Hand und durch Versuch, was heute selbstverständlich scheint. Ihre Boote sind fast alle verschwunden. Ihre Zeichnungen und Beschreibungen sind geblieben, und nach vielen von ihnen könnte man die Boote noch heute bauen.

— L. Dudakov

Leseprobe

Die ersten Seiten eines Kapitels.

KAPITEL ZWEI

Der Bau eines Klinkerbootes,
Schritt für Schritt

Das Vergnügungsboot und seine praktische Bauausführung — Th. Hein, 1885

Im Januar 1885 eröffnete der Wassersport eine Folge, die nach dem Versprechen der Redaktion „Zeichnung für Zeichnung“ erklären sollte, wie die Vergnügungsboote jener Tage wirklich zusammengesetzt wurden. Ihr Verfasser, Th. Hein aus Kiel, war ein Mann der Praxis; er schreibt für den Liebhaber, der einen Schuppen, ein paar gute Werkzeuge und die Geduld hat, einer Anleitung zu folgen, und er führt den Leser von der Wahl der Werkstatt bis zum letzten Beschlag der Ruderduchten.

Die Folge erschien in sechs Fortsetzungen zwischen Januar und November 1885. Sie ist hier vollständig wiedergegeben, mit allen Figuren des Originals, neu gezeichnet. Die Zwischenüberschriften sind von uns eingefügt; Ausdrücke, die ein heutiger Bootbauer vielleicht nicht kennt, sind in den Anmerkungen erklärt. — L. Dudakov

I. Drei Arten der Beplankung

Unter dieser Überschrift wollen wir eine Reihe von Zeichnungen verschiedenartig gebauter und eingerichteter Boote nebst Erklärungen über deren praktische Bauausführung bringen. Wir nehmen an, dass dieses Thema den Yacht- und Bootsbesitzern, den Bootbauern wie überhaupt unserem zahlreichen Leserkreise von großem Interesse sein wird; es handelt sich um unsere Lieblinge, in denen wir so schöne Stunden verleben, denen wir oft unser Leben anvertrauen, und es lohnt sich wohl der Mühe, diese etwas genauer kennenzulernen. Es sei zunächst die Aufgabe, die im sogenannten kleineren Sport verwendeten Vergnügungsboote und deren verschiedenartigen Bau in der Praxis zu erläutern.

Beim Vergnügungsboot unterscheidet man nach der Beplankung drei verschiedene Arten: den Klinker-, Krawel- und Diagonalbau.

Fig. 1. Klinkerbau. Seitenansicht (links) und Querschnitt (rechts).

Beim Klinkerbau (siehe Fig. 1) geschieht die Verbindung der einzelnen Planken durch Übereinanderlegen der einzelnen Gänge; dieselben werden mittels kupferner oder verzinkter Eisennägel, auf untergelegte Scheiben (Gaten) vernietet, verbunden.

Fig. 2. Krawelbau. Seitenansicht und Querschnitt. Die beiden punktierten Linien deuten ein Inholz an.

Beim Krawelbau (siehe Fig. 2) stoßen die Plankengänge aufeinander; die Inhölzer bestehen aus festen, nach der Form des Bootes geschweiften Hölzern. Die punktierten beiden Linien deuten das Inholz an.

Beim Diagonalbau (siehe Fig. 3) gehen die Planken in einer doppelten Lage unter einem Winkel von 45° von der Kielsponung bis zur Sponung im Dollbaum, und zwar liegt die untere Lage unter einem Winkel von 45° nach hinten, die obere Lage unter einem Winkel von 45° nach vorn geneigt. Die punktierten Linien geben die innere und die ausgezogenen Linien die äußere Lage der Planken an.

Fig. 3. Diagonalbau. Seitenansicht und Querschnitt. Punktiert die innere, ausgezogen die äußere Lage.

II. Die Werkstatt und der Bock

Bevor wir mit dem eigentlichen praktischen Bau eines Bootes beginnen, ist es noch erforderlich, die Vorbereitungen zum Bau, den Ort der Aufstellung, die Helling usw. einer kurzen Besprechung zu unterziehen.

Man wähle zum Bau eines Bootes einen überdachten Raum, einen Schuppen etc., um den Bau nicht nachteiligen Witterungsverhältnissen und Witterungswechsel aussetzen zu müssen. Hierfür dürfte sich ein Holzschuppen mit gutem Ober- und Seitenlicht und Bretterfußboden oder Hirnholzpflaster am besten eignen.

Sodann ist ein langer Holzbock, der Länge des Bootes entsprechend, anzufertigen; für die gewöhnliche Art von Vergnügungsbooten kann er bis zu 10 m lang sein. Dieser Bock bildet die Unterlage des Bootes und erfüllt denselben Zweck wie bei einem großen Schiffe die Helling. Die Anfertigung kann nach Skizze Fig. 4 erfolgen, bei welcher die Maße in Metern eingeschrieben sind.

Fig. 4. Der Bock. Länge 10 m, Höhe 1,0 m.

III. Der Planriss

Nunmehr schreite man zur Anfertigung eines Plans, auf welchen der Spantenriss, der Vorder- und Hintersteven des zu erbauenden Bootes in natürlicher Größe aufgeschnürt wird. Einen solchen Planriss mit aufgeschnürtem Spantenriss, Vorder- und Hintersteven zeigt Fig. 5.

Fig. 5. Der Planriss mit aufgeschnürtem Spantenriss, Vorder- und Hintersteven. WL 0 – WL III: Wasserlinien.

IV. Die Modelle (Mallen)

Jetzt kann die Anfertigung der Modelle (Mallen) erfolgen, welche aus 25 mm starken fichtenen Brettern in der Art, wie Fig. 6 zeigt, nach den einzelnen Spantlinien (für jedes Spant ein Modell) angefertigt und verbunden werden können. Da auf dem Plan nur die eine Seite des Bootes durch den Spantenriss dargestellt ist, so müssen zwei Modelle für jedes halbe Spant angefertigt werden, und zum Zwecke des Zusammenlegens des ganzen Spantenmodells müssen die Höhen- und Breitenpunkte des Schandeckels des betreffenden Spantes auch nach der entgegengesetzten Seite der ausgestreckten Spantlinie abgetragen und nach diesem Punkte das eine halbe Spantenmodell umgelegt werden.

Demnächst

Inhalt

  1. Vorwort